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04.05.2026

Kundgebung 1. Mai

Vanessas Redebeitrag zu der Kundgebung "Erst unsere Jobs, dann eure Profite"
 
Am 1. Mai hat unsere Kollegin Vanessa einen tollen Redebeitrag bei der Demo "Erst unsere Jobs, dann eure Profite" organisiert von der DGB, gehalten.

Wir bedanken uns sehr für die Einladung und für den Raum uns an dieser Kundgebung beteiligen zu dürfen und unsere feministische Sichtweise zu dem Thema deutlich zu machen.

Wer Interesse hat kann Vanessas Rede hier nachlesen:



Liebe Anwesende, liebe Mitstreitende, liebe Genossinnen und Genossen,

wenn wir heute unter dem Motto „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“ zusammenkommen, dann geht es nicht nur um Löhne, Arbeitsbedingungen oder Tarifverträge.
Sondern es geht um etwas Grundsätzliches: um Würde und Sicherheit.

Und im Frauenzentrum in Hameln sehen wir Mitarbeiterinnen täglich, was es bedeutet, wenn Sicherheit fehlt.
Wir sehen, wie viele gewaltbetroffene Frauen* und Kinder keinen Ausweg sehen, weil sie unter Anderem finanziell abhängig sind.
Wenn ökonomische Sicherheit fehlt, weil man kein eigenes Einkommen hat, weil man in prekären Beschäftigungsverhältnissen arbeitet oder weil man von Sozialleistungen abhängig ist, dann lebt man permanent mit der Angst von Armut oder Wohnungslosigkeit bedroht zu sein.
Dann ist der Weg in ein gewaltfreies Leben ein großes Risiko.

Und wir sehen, was es bedeutet, wenn die Politik dieses Risiko nicht ernst nimmt.
Die Lebenshaltungskosten steigen, während der Sozialstaat immer weiter abgebaut wird – das betrifft uns alle, aber vor allem uns Frauen*.
Ich spreche hier von alleinerziehenden Frauen*,
Frauen*, die in Teilzeit beschäftigt sind,
Frauen*, die auch neben ihrer Erwerbstätigkeit noch den Großteil an privater Sorge- und Pflegearbeit übernehmen.
Ich spreche von Care-Berufen, die in unserer Gesellschaft weiblich konnotiert sind und deswegen immer noch mehr von Frauen* ausgeführt und gleichzeitig schlechter bezahlt werden.
Ich spreche von Frauen* mit Migrationshintergrund oder Fluchterfahrung, die in Deutschland oft keine andere Wahl haben, als schlecht bezahlte und unsichere Beschäftigungsverhältnisse einzugehen.
Und ich spreche hier von Frauenhäusern und Beratungsstellen, die chronisch unterfinanziert sind. Fehlendes Geld bedeutet ein Mangel an Plätzen, an qualifiziertem Personal und somit auch ein Mangel an Schutz und Beratung.
Vor allem in den letzten Wochen haben uns öffentliche Fälle nochmal deutlich gemacht, wie komplex und unterschiedlich Gewalt gegen Frauen* aussehen kann. Digitale Gewalt zum Beispiel ist schon lange kein Nebenschauplatz mehr, sondern fester Teil der strukturellen geschlechtsspezifischen Gewalt.
Und dennoch:
Jeden Tag müssen Frauen* und Kinder in Not abgewiesen werden.
Sie müssen weiterhin in Gefahr leben, weil wir Mitarbeiterinnen jeden Tag bis an unsere Grenzen gehen und trotzdem die Auswirkungen der Kürzungen nicht mehr auffangen können.
Gewaltschutz und Prävention sind kein Luxus, sondern Aufgaben, zu denen Deutschland sich mit der Ratifizierung der Istanbul-Konvention bereits vor acht Jahren verpflichtet hat.

Deshalb ist das Motto „Erst unsere Jobs, dann eure Profite!“ auch ein feministischer Auftrag.
Wir fordern die Politik auf, Arbeit neu zu bewerten: die bezahlte und die unbezahlte, die sichtbare und die unsichtbare.
Wir fordern die Politik auf, den Sozialstaat auszubauen und die Bedürfnisse derjenigen in den Mittelpunkt zu stellen, die am verletzlichsten sind.
Und dafür werden wir weiterhin kämpfen.
Wir werden nicht aufhören für faire Bedingungen, Sicherheit und ein würdevolles Leben zu kämpfen.

Unsere Arbeitskämpfe sind Kämpfe für soziale Gerechtigkeit – und damit auch feministische Kämpfe!
Feminismus heißt nicht nur Gleichstellung der Geschlechter.
Feminismus heißt auch: Wir stellen uns gegen ein unfaires System, welches uns im stich lässt.
Kein Arbeitskampf ohne Feminismus und kein Feminismus ohne Arbeitskampf!

Vielen Dank.